Der Zuschauerraum des Schloßtheaters

Der Zuschauerraum ist ein länglicher Saal mit hufeisenförmiger Galerie und mit einigen Reihen stufenförmig erhöhter Holzbänke im Erdgeschoß. Die Galerie ruht auf Pfeilern und ihre Mitte wird von der Fürstenloge mit Bänken desselben Typs eingenommen, in welche der gedeckte

Verbindungsgang aus dem Hauptgebäude des Schlosses führt, konkret aus dem Maskensaal. Im vorderen Teil des Zuschauerraumes, vor dem Proscenium mit zwei seitlichen Kerzenkandelabern in Form von Putten, ist ein abgegrenzter Raum für eine Kapelle von etwa 30 Musikern. Die Breite des Parterres bewegt sich zwischen 16,60 m bei der Bühne und 15,80 m in der Mitte des Saales bis zu 7,20 an seinem Ende. Der Orchesterraum des Schloßtheaters ist 1,50 m tief. Die Höhe des Zuschauerraumes beträgt 9,20 m, die Fürstenloge hat eine Breite von 4,20 m, ihre Tiefe bewegt sich zwischen 3 m an den Seiten und 3,60 m an der Hauptachse.

Gesamtansicht des Zuschauerraums des Schlosstheaters in Český Krumlov

Die Wände des Zuschauerraumes sind geschmückt mit feiner Malerei mit gemalten Pilastern, in deren dekorativem Rahmen Blumen - und Musikstilleben zur Geltung kommen. Die Brüstung der Galerie ist geteilt in einzelne Bilder mit Blumenfestons.

Fürstenloge im Zuschauerraum des Schlosstheaters in Český Krumlov

Die flache Decke schmückt eine illusorische Freske, die eine Balustrade darstellt und darüber den von Göttern belebten Himmel. In der Mitte ist auf den Wolken der singende Apollo, der sich auf der Leier begleitet. Es hört ihm der Herrscher des Himmels, Zeus, zu mit Marschallstab und einem Adler zu seinen Füßen. In der rechten Hand hält er einen Lorbeerkranz, der für Apollo bestimmt ist. Links sitzt seine Gattin Hera, unter ihr steht eine Göttin mit einem Buch in der Hand (wahrscheinlich eine der Musen), die den Götterboten Hermes zum König mit Eselsohren Midas schickt. Unter der Wolke des Zeus sitzt Luna, deren bleiches Antlitz umrahmt ist von einer Gloriole, die aus der Sichel des Mondes hervorgeht. Ihr Bote ist ein Stern, der die Mächte der Finsternis vertreibt - das Trugbild der Verstellung (mit Maske) und des Teufels (mit Fackel). Links oberhalb von Apollo bläst Fama den Sieg des göttlichen Sängers. Die Gestalten der Götter werden durch Gestalten von Putti ergänzt.

Deckenmalerei  im Zuschauerraums des Schlosstheaters in Český Krumlov, 1999, Foto: Věroslav Škrabánek

Die Ausmalung des Zuschauerraumes geht in das Proscenium über durch einen auf Holz gemalten Portikus mit illusorischer Säulenarchitektur mit reich profilierten Simsen und illusorischen Kassettendecke.

Balkonteil des Zuschauerraums des Schlosstheaters in Český Krumlov   Detail der illusionistischen Malerei der Seitenwände und der Decke  des Schlosstheaters in Český Krumlov

Die ganze Malereiausschmückung ist ein Werk der Wiener Theatermaler Hans Wetschl und Leo Märkel, die laut Archivdokumenten den Auftrag am 12. März 1766 erhielten. Die Arbeit wurde im Frühjahr 1768 beendet. Beide Maler schmückten auch den Spiegelsaal (Geschichte des Spiegelsaales), wo sich bis zu dieser Zeit eine provisorische kleinere Theaterszene befand. Weiter nahm an der bildnerischen Ausstattung des Schloßtheatersaales auch noch der Bildhauer Josef Muk teil, dessen Werk aus dem Jahr 1768 beide Paare von Putti sind, die die Kerzenleuchter an den Seiten des Prosceniums tragen. An den Wänden und Pfeilern der Galerie sind geschmiedete Eisenleuchten befestigt, Beleuchtungskörper und venezianische Spiegel in Metallrahmen.

(om)