Die Geschichte des Spiegelsaales

Am Ende des 16. Jahrhunderts gab es im Rosenberger Residenzsitz in Český Krumlov drei große Säle, die festlichen und bedeutenden gesellschaftlichen Anlässen im Leben der Burgbewohner dienten. Einer dieser Säle, die sog. Wappenstube, hat sich bis heute nicht erhalten. Die beiden anderen kann man in veränderter Gestalt noch heute zu sehen bekommen. Gegenwärtig sind sie bekannt unter der Bezeichnung Spiegel - und Maskensaal. Schriftliche Erwähnungen über sie können wir seit der Mitte des 16. Jahrhunderts verfolgen.

Spiegelsaal auf dem Schloss Český Krumlov

Der heutige Spiegelsaal wurde früher als Palast bezeichnet. Im Inventar, niedergeschrieben nach dem Tode Peter Woks von Rosenberg im Jahre 1545, finden wir auch eine kurze Erwähnung über seine Einrichtung und Ausschmückung : "Item auf dem Palast zwei Tapezierungen und ein Tischläufer und vier von Bankläufer".

Laut Bericht von Václav Břežan diente der Palast am 5. Januar 1598 als Trauungssaal bei der Hochzeit des Rosenberger Höflings Adam Tuněchotský von Poběžovice.

Das Inventar der Burg in Český Krumlov aus dem Jahr 1607 führt an, daß es "auf dem Palast" zwei Türen mit Riegeln gab und fünf Fenster mit Gittern. Das Inventarverzeichnis aus dem Jahr 1614 wiederholt diese Angaben und informiert weiter darüber, daß das Interieur mit einem großen Tisch ausgestattet war, einer langen Bank mit Lehne und einem großen vergoldeten leeren Bilderrahmen. Beide angeführten Inventarverzeichnisse stammen aus der Zeit, als die Burg den böhmischen Königen aus dem Geschlecht Habsburg gehörte (1601 - 1622), nicht vom Besitzer ständig bewohnt war und nach dem Weggang von Peter Wok von Rosenberg im Jahre 1602 eine bedeutende mobiliare Verarmung erfuhr. Die gleichen Zahlen von Fenstern und Türen wiederholen sich dann im Inventar aus der Eggenberger Ära (1622 - 1719) aus den Jahren 1649 und 1664. Alle angeführten Inventare enthalten auch Angaben über Öfen in den jeweiligen Räumen der Burg. Es kann ganz eindeutig gesagt werden, daß dieser Saal nie mit einem Ofen ausgestattet war. Die Bezeichnung "auf dem Palast" erhielt sich noch in den ersten Jahren nach der Ankunft der Eggenberger in Český Krumlov. In den Buchhaltungsbeilagen aus dem Jahre 1625 können wir lesen, daß der Glaser die Fenster "im goldenen Palast" reparierte. Das ist ein interessantes Dokument, wo noch die alte Benennung - Palast -, und gleichzeitig auch schon die neue Benennung - der goldene - verwendet wird. Von den 60er Jahren des 17. Jahrhunderts an wurde er dann nur noch als Goldener Saal bezeichnet.

Im Jahre 1677 wurde im Goldenen Saal der Fußboden renoviert. Die alten Fliesen aus Marmor waren wohl beschädigt und hatten Risse. Die beschädigten Marmorplatten wurden in einen Kalkbrei eingesetzt, der sie verfestigen sollte.

Bald nach dem Einzug der Schwarzenberger auf das Schloß in Český Krumlov (1719) wurde der Goldene Saal in einen Theatersaal umgebaut.. Das alte eggenbergische Schloßtheater, das seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts ungenutzt war, genügte wahrscheinlich nicht mehr, und bevor man an den radikalen Umbau zu Beginn der 60er Jahre des 18. Jahrhunderts ging, wurden gelegentlich Theatervorstellungen im Goldenen Saal aufgeführt.

Zu Beginn des Jahres 1768 beschloß der regierende Fürst Josef Adam zu Schwarzenberg die Gesamtrekonstruktion des Goldenen Saales. Zu diesem Entschluß bewogen ihn zwei Gründe - die Beendigung der Rekonstruktion des Schloßtheaters im Jahre 1767 und das Bedürfnis eines neuen Repräsentationsraums für den Sommer 1768 anläßlich der Hochzeit des Erbprinzen Johann Nepomuk. Mit der Gestaltung und Ausschmückung des Raumes wurden die Wiener Maler Hans Wetschl und Leo Märkl betraut. Damals wurden beide Fenster in den Burghof ummauert, die Wände mit dekorativen Malereien mit Musikmotiven und großen Spiegeln geschmückt, die dem Saal eine neue Bezeichnung gaben - Spiegelsaal. Der Saal bekam auch einen neuen Fußboden aus Holz.

Spiegelsaal auf dem Schloss Český Krumlov, Detail der Ausmalung

Das Leben der folgenden Schwarzenberger Generation konzentrierte sich eher auf die Wiener Paläste und das Schloß in Hluboká, und deshalb genügte ihnen im Schloß in Český Krumlov ein repräsentativer Saal, der Maskensaal völlig. Eine Ende 1843 erlassene fürstliche Anweisung entschied über die Veränderung des "Tanzspiegelsaales oder kleinen Saales" in eine Bibliothek. Eine rare Fotografie aus dem Jahr 1909 gibt sein damaliges Interieur wieder.

Im Jahre 1911 wurde die Schloßbibliothek in andere Räumlichkeiten übertragen (in den ehemaligen Runksaal mit Vorzimmer) und in den freigemachten Saal wurden Ausstellungsvitrinen mit Mustern schöner alter Kleidungsstücke plaziert. Die älteren Bürger von Český Krumlov kennen deshalb diesen Saal unter der Bezeichnung Vitrinensaal. Schon eine Reihe von Jahren ist der Spiegelsaal wieder frei und dient für gelegentliche Kammermusikkonzerte.

Spiegelsaal auf dem Schloss Český Krumlov, Detail der Ausmalung, Musikinstrumente und Notentext

Die Bearbeitung der erhaltenen herrlichen Steinfutter bei beiden von innen ummauerten Fenster deutet darauf hin, daß sie aus derselben Zeit stammen wie das Fenster und der Fenstererker auf der gegenüberliegenden Seite des Schloßhofes, nämlich aus dem Jahre 1513 oder aus einer ein wenig jüngeren Zeit. Die drei Fenster in den Hirschgraben hatten ebenfalls Steinfutter, von welchen nur beschädigte Teile übrig geblieben sind. Die vom Schloßhof aus sichtbaren Reste der Ausmalung des ehemaligen Goldenen Saales auf den Spaletten der ummauerten Fester wären eine Untersuchung wert.

(ak)

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