Das Prägen von Münzen im Schloß in Český Krumlov

Münzprägung auf dem Schloss in Český Krumlov, Münzprägemaschine, 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts Das Recht zum Prägen von Münzen gehörte zu den Privilegien des Landesherrschers, aber in einigen Fällen wurde dieses Recht bedeutenden Adelsdynastien, kirchlichen Würdenträgern und vereinzelt auch Städten verliehen. Diese Prägungen wurden dann Privatprägungen genannt. Über dieses Recht verfügten von den Schloßinhabern in Český Krumlov schon die Rosenberger, die es im Jahre 1422 von Kaiser Sigismundus erhielten. Im Jahre 1532 wurde ihnen das Münzrecht erneuert. Das Recht wurde von Wilhelm von Rosenberg genutzt, von dem Dukaten in verschiedenen Werten mit dem heiligen Christophorus im Jahre 1581 und Taler im Jahre 1587 in Rychleby in Schlesien geprägt wurden. Unter Peter Wok von Rosenberg wurde das Prägen der Dukaten von Rychleby im Jahre 1595 fortgesetzt, und es wurden auch Rechengroschen geprägt.

1622 erwarben die Eggenberger die Herrschaft Český Krumlov. Johann Ulrich von Eggenberg stand gerade der kaiserlichen Gunst. Beweis dessen war auch das Erteilen des sogenannten Großen Palatinates der Dynastie Eggenberg, in dem unter anderem das Recht zum Prägen eigener Münzen enthalten war. Johann Ulrich konnte dank des Palatinates eine eigene Münzstätte erbauen, eigene Münzmeister beschäftigen und goldene und silberne Münzen nach üblichen Regeln und Gewohnheiten im Land prägen. Die im Schloß von Krumlov geprägten Münzen waren zu ihrer Zeit ein geläufiges Zahlungsmittel, das begreiflicherweise vor allem im eggenbergischen Eigentum in Böhmen und in den österreichischen Ländern verbreitet war. Johann Ulrich von Eggenberg benutzte für das Prägen wahrscheinlich die Dienstleistungen der Prager Münzstätte.Von seinem Sohn Johann Anton I. von Eggenberg wurde im Jahre 1641 die Tätigkeit der Edelmetallschmelzerei in Český Krumlov erneuert, und er ließ in den Jahren 1642 - 44 in der dortigen Münze Taler prägen. Am Ende der 40er Jahre des 17. Jahrhunderts konzentrierte er das Prägen von Talern und weiterer Münzen in die Münzstätte im steirischen Waldstein. Die Brüder Johann Christian I. von Eggenberg und Johann Seyfried von Eggenberg prägten gemeinsam Münzen in Český Krumlov in den Jahren 1652 - 1658. Unter vormundschaftlicher Herrschaft der Mutter Anna Maria von Eggenberg, geb. von Brandenburg, prägten sie Taler, Dukaten und Gulden. Als sie erwachsen waren, gebrauchte nur der Ältere der beiden Brüder, Johann Christian, das Münzrecht, der in Český Krumlov siedelte, wo er Groschen (Dreikreuzer) prägte.

Münzprägung auf dem Schloss in Český Krumlov, Detail der Prägemarke, 1629

In die alte Münze im Schloß in Český Krumlov trat man durch die Tür im Durchgang zwischen dem III. und dem IV. Schloßhof ein. Die Inneneinrichtung der Münze war zweckmäßig. Sie wurde von einem in die Wand eingebauten Schrank, einem Kachelofen, einem Schmelzofen und den notwendigen Münzmaschinen gebildet. Beim Münzenprägen wurden allgemein Maschinen dreierlei Arten gebraucht. Die Streckmaschinen (Walzenmaschinen) dienten zum Recken und Walzen von Zahnen (Silberstreifen zur gleichen Dicke aufbereitet), durch die Stanzmaschinen wurden aus dem Silberstreifen Scheiben für Münzen bestimmter Art und Größe gestanzt.

Münzprägung auf dem Schloss in Český Krumlov, Stanzmaschine, 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts

In die Prägemaschinen wurden zwei Prägemarken für die Avers- und Reversseite (Ober- und Unterseite) einer Münze eingelegt, und durch das Drehen einer Kurbel wurde zu beiden Seiten der Münze ein entsprechendes Bild geprägt. Die Kollektion erhaltener Prägemarken und Prägemaschinen weist auf meisterhafte Handwerkergeschicklichkeit hin. Es sind verhältnismäßig wenige aus dieser Produktion stammende Münzen erhalten, und diese ragen durch gute Prägung und künstlerische Schönheit hervor.

Münzprägung auf dem Schloss in Český Krumlov, Taler aus dem Jahre 1653

In den 80er Jahren des 17. Jahrhunderts hat man auf Befehl von Johann Christian I. von Eggenberg angefangen, ein selbständiges Münzgebäude (Schloß Nr. 59 - Münze) auf dem II. Schloßhof nach den Plänen von Jakub de Maggi zu bauen. Der Bau wurde bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts verlängert. Durch das kaiserliche Gesetz vom Jahre 1702 wurde jedoch verboten, kleine Münzen zu prägen, zu denen auch die Groschen (Dreikreuzer) gezählt wurden, die als einzige zu dieser Zeit von Johann Christian I. von Eggenberg geprägt wurden. In Folge dessen wurde das Gebäude der Münze nie zu seinem ursprünglichen Zweck verwandt. Der Nachfolger von Johann Christian, Adam Franz von Schwarzenberg, prägte seine Münzen nur in Wien. Nach dem Brand im Jahre 1728 wurde das Münzgebäude unter der Aufsicht der Baumeister Martinelli und Fortini restauriert und um einen Stock erhöht. Die Räume der Münze wurden seit dieser Zeit als Wohnungen, Amtsräume, Räume für das Archiv und für die fürstliche schwarzenbergische Garde genutzt.

Münzprägung auf dem Schloss in Český Krumlov, Exposition  der Münzmaschinen in der Gegenwart

Zur Zeit wird das Münzgebäude vor allem zu Ausstellungszwecken genutzt (Touristendienstleistungen im Areal des Schlosses Český Krumlov), und das Erdgeschoß wird jetzt für die mit dem Besucherbetrieb des Schlosses zusammenhängenden Dienstleistungen umgestaltet.

(mh)