Versorgungsgarten


Lokalisierung :
Die Versorgungsgärtnerei der Schloßverwaltung liegt am südlichen Rand des Schloßareals an der Kante der Fläche der ehemaligen Flußterrasse der Vltava und der angrenzenden, nach Osten gerichteten Abhänge.

Schloss Český Krumlov, Vorratsgärtnerei, im Hindergrund Orangerie, Foto: Zdena Flašková

Im Nordosten wird sie eingegrenzt durch eine tiefe Schlucht über dem Fluß, die nordwestliche Grenze verläuft entlang eines Wegs, der das Schloßtor auf dem V. Schloßhof des Schlosses Český Krumlov und die Wegkreuzung am Anfang der Důlní ulice verbindet. Diese grenzt das Gelände der Gärtnerei im Südwesten ein und verläuft parallel zur Umfassungsmauer des Schloßgartens in Český Krumlov. Beim Objekt des sog. Parapluis (Paraplui-Fortifikation) bricht die Mauer ein und knüpft an die Terrainkante über dem Abhang der Vltava an.

Örtliche Bezeichnung :
Der Garten wurde in der Vergangenheit auch unter weiteren Bezeichnungen angeführt: "Mantelgarten", "Küchengarten" und "Garten über der Rybářská ulice".

Objektbeschreibung :
Das Areal besteht aus folgenden Bauobjekten :

Bauhistorische Entwicklung :
Die Fläche des Küchengartens "Na plášti" war ursprünglich wahrscheinlich das nicht kultivierte südwestliche Vorfeld der Burg in Český Krumlov.

Das älteste Objekt in der südwestlichen Ecke des Areals ist die Befestigung, die wahrscheinlich aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts stammt. Dieser Bau war wahrscheinlich ein Bestandteil der äußeren Befestigung (des sog. "Nový plášť"), die von Ulrich II. von Rosenberg (Erwähnung aus dem Jahr 1447) errichtet wurde.

Unter der Herrschaft der letzten Rosenberger wurden wohl das alte schon heruntergekommene Befestigungssystem abgetragen, die Wälle weggebracht und die Gräben zugeschüttet. Aus den Trümmern der ursprünglichen Mauern wurde eine neue Umfassungsmauer mit falschen Zinnen in der Krone gebaut. In dieser Zeit stand noch ein Tor, genannt "plášťová brána" (Manteltor), und der nördliche Abschnitt der Befestigung (im heutigen Raum des Schloßgartens).

Aus dem Jahr 1600 stammt folgende Angabe: "oberhalb vom Schloß und um das Schloß große Obstgärten mit guten Bäumen verschiedenen Obstes und verschiedener Gewürze und drei Blumen ausgepflanzt" - man kann die Situierung von Nutzgärten im Raum des heutigen Versorgungsgartens annehmen. Nichtsdestoweniger stammt die erste schriftliche Nachricht vom "Garten über der Rybářská ulice" aus dem Jahr 1657. Es wird angenommen, daß der Garten in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts entstanden ist und daß er Wirtschaftscharakter hatte.

Český Krumlov, Schloss Nr. 6 - Orangerie

Nach der unruhigen Zeit des Dreißigjährigen Krieges, die der Pflege der Gärten nicht zuträglich war, kam es erst unter der Herrschaft des Fürsten Johann Christian I. von Eggenberg zu Veränderungen. Im Zusammenhang mit der Gründung des Schloßgartens kaufte der Fürst auch bürgerliche Grundstücke im sog. Mantel- oder Küchengarten auf.

Wahrscheinlich hier (d.h. auf der Fläche der heutigen Gärtnerei) wurden in den Jahren 1678-1683 Gartenlager und weitere betriebliche Räumlichkeiten der Gärtnerei errichtet.

Das Aussehen des Mantelgartens wird in groben Zügen beurkundet durch einen Plan aus der Zeit um 1702 - er zeigt im Detail die Umfassungsmauer der Gärtnerei, die genau auch dem heutigen Zustand entspricht.

Im Garten (aber auch im eigentlichen Schloßgarten) wurde Wein angebaut. Schon im Jahre 1692 wurden hier 100 Weinrebensetzlinge aus dem fürstlichen Weingarten im österreichischen Senftenberg angepflanzt.

Von der Intensität der Gärtnereitätigkeit zeugt ein Bericht aus dem Jahr 1732, der anführt, daß täglich in der Gärtnerei drei Gärtnergesellen, sechs Gärtnergehilfen und 20-30 Fronarbeiter gearbeitet haben.

Aus dem Jahre 1755 stammt eine Erwähnung über den Ankauf von Samen für den Küchengarten "Na plášti".

Häufigere Erwähnungen über die Einrichtung der Gärtnerei stammen erst aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, als eine Reihe von Treibbeeten und Gewächshäusern, eine Orangerie sowie ein Häuschen für den Gärtner errichtet wurden und dem Betrieb der Gärtnerei große Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Im Jahre 1766 wurde der Garten in Richtung Vltava eingezäunt (wegen der schlechten Erfahrungen mit Dieben). Im selben Jahr wurde eine Wasserleitung aus dem Wald Dubík gebaut, die unter anderem auch den Küchengarten mit Wasser versorgte. (Näheres siehe Schloßwasserleitungen).

Im Garten wurden viele exotische Pflanzen gezüchtet, wie ein Inventar vom 10.7.1766 dokumentiert. Die Liste umfaßt 168 Stück verschiedener Sorten von Zitruspflanzen, 91 Orangenbäume, zwei "Granatbäume" und 151 Lorbeerbäume in der Orangerie, im großen Gewächshaus wurden 181 Ananaspflanzen gezüchtet, 135 nicht näher angegebene Pflanzen aus Amerika (wahrscheinlich Agaven), im kleinen Gewächshaus befanden sich 70 Ananaspflanzen und 110 weitere Blumen.

Im Jahr 1800 wurde das Gärtnerhaus um ein Stockwerk erhöht und ein langer ebenerdiger Trakt für die Gärtnereigesellen errichtet. In derselben Zeit wurde an der südwestlichen Umfassungsmauer ein offener Schuppen errichtet, später dann in eine Scheune (das heutige sog. "labuťárna" - Schwanenhäuschen) umgebaut.

Der Ausblick, der an der Stelle einer alten Bastion im Jahre 1824 errichtet wurde (die sog. Paraplui-Fortifikation) war mit dem Schloß durch einen Promenadenweg verbunden, der etwa nach der Schichtenlinie im Abhang über der Vltava führte. Für bequemes Spazieren wurden hölzerne Gehsteige aus Brettern amgelegt, versehen mit einem Geländer. Auf der Promenade wurden Aussichtsterrassen geschaffen, die interessante Ausblicke auf die Stadt und das Schloß gewährten, und es wurden Altane aufgestellt (siehe näher Studie der Belebung der Lokalität Rybářská).

Schon ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Gartenterrassen an der östlichen Seite der Gärtnerei als sog. Deputatsgärten den Beamten der Obrigkeit zugeteilt. Für die einzelnen Benutzer wurden kleine Gartenbauten errichtet, Altane, von denen sich zwei von der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert erhalten haben.

Die zweite Ära des Aufschwunges des Gärtnereibetriebes stellten die 40er Jahre des 19. Jahrhunderts dar. Es wurden die sog. Ananastreibhäuser geschaffen, die Orangerie wurde renoviert.

Schlossgarten Český Krumlov, Vorratsgärtnerei, 2000, Foto: Lubor Mrázek

In der 2. Hälfte holten die Sparmaßnahmen auch die Gärtnerei ein, ein Teil der Orangerie wurde abgetragen, in einigen Gewächshäusern hörte man auf, Blumen zu züchten. Nichtsdestoweniger blieb die Kontinuität der Gärtnereitätigkeit bis in die Gegenwart erhalten.

Heutige Nutzung :
In der rekonstruierten Orangerie und in den alten Gewächshäusern wird die Saat für die Blumenbeete gezogen, im Schloßgarten werden dekorative Topfblumen für die Ausschmückung der Schloßräumlichkeiten und Schloßhöfe gepflanzt.

(jo)