Das Bild von der Teilung der Rose

Die Witigonen gehörten zum ältesten böhmischen Adel. Die ersten Nachrichten über sie finden wir schon im 12. Jahrhundert, als an Witigo von Prčice erinnert wird (1134). In der Literatur wird erwähnt, daß dieser Witigo im Jahre 1165 der oberste Mundschenk des böhmischen Königs Wladislaw I. war, im Jahre 1173 sein Gesandter am Hof Friedrich Barbarossas und daß er im Jahre 1179 an der Schlacht bei Loděnice teilnahm (Schlacht zwischen dem "Bauernfürsten" Soběslav II. und einem weiteren Přemysliden, Bedřich). Die Schlacht gewann Soběslav, aber letztendlich mußte er wegen seines Zwistes mit dem Adel die Regierung abgeben und nach ihm kam Bedřich. Witigo von Prčice war wahrscheinlich schon damals ein ausreichend mächtiger Herr und kämpfte gegen den dem Adel nicht zugetanen Soběslav an der Seite von Bedřich. Im Jahre 1184 wurde Witigo zum Burggrafen von Prácheň und es ist nicht ausgeschlossen, daß er dieses Amt ausnützte zum Vordringen in die südlichen Regionen des Landes, die bis zu dieser Zeit den böhmischen Fürsten gehört hatten.

Schloss Český Krumlov, Bild

Witigo von Prčice hatte der Sage nach 5 Söhne. Er teilte seine Herrschaft und seine Söhne verteilten sich auf Südböhmen, gründeten neue Burgen und wurden zu den Urvätern der Herrschaften Krumlov, Rožmberk, Jindřichův Hradec, Třeboň - Landštejn, Stráž nad Nežárkou und Sezimovo Ústí. Die alte Sage von der Teilung der Witigonen fängt ein Bild auf dem Schloß in Telč ein und seine Kopien in Krumlov und Jindřichův Hradec. Wir sehen auf diesen Bildern vor der Burg in Krumlov den Urvater Witigo, wie er unter seine Söhne die Wappen mit der fünfblättrigen Rose verschiedener Farben aufteilt. Die goldene Rose im blauen Feld erhält der älteste Heinrich, der nach Jindřichův Hradec fährt, eine silberne Rose im roten Feld trägt auf seinem Wimpel Vítek von Klokoty und fährt nach Třeboň. Der Vorfahr der Herren von Stráž fährt mit einer blauen Rose im goldenen Feld davon und der uneheliche Sohn Sezima fährt nach Ústí unter dem Wimpel der schwarzen Rose im goldenen Feld. Auf Rosenberg und Krumlov soll Witigo herrschen mit dem Wappen der roten Rose im weißen Feld.

Die Bilder fangen natürlich nur die Sage ein und das noch ungenau. Vor allem die dargestellten Burgen wurden viel später im Verlauf des 13. Jahrhunderts gegründet, so zum Beispiel Stráž erst an seinem Ende (vielleicht um das Jahr 1276). Weiter ist nicht wahr, daß sich die Krumlover Witigonen erst in der weiteren Generation in zwei Zweige geteilt hätten - den Krumlover und den Rosenberger - sondern zur Teilung kam es schon unter den Söhnen Witigos von Prčice, als Vítek II., genannt der ältere, zum Gründer des Krumlover Zweiges wurde und sein jüngerer Bruder, auch Vítek, zum Gründer des späteren Geschlechtes Rosenberg. Drittens macht der Autor des erwähnten Bildes einen heraldischen Fehler - die Witigonen von Krumlov hatten in ihrem Wappen eine grüne Rose und keine rote, wie das Bild anführt. Historische Tatsache bleibt die Persönlichkeit des Witigo von Prčice und die Tatsache, daß er fünf Söhne hatte :

Heinrich - den Gründer von Jindřichův Hradec - goldene Rose im blauen Feld
Vítek II. der ältere - Urvater der Witigonen in Krumlov - grüne Rose im goldenen Feld
Vítek III. der jüngere - der Urvater der Rosenberger - rote Rose im weißen Feld
Vítek IV. - Urvater der Herren von Třeboň und Landštejn - weiße Rose im roten Feld
Sezimu - schwarze Rose im goldenen Feld.

Neben diesen reichen Witigonen finden wir die jüngeren Witigonen in Mittelböhmen, zum Beispiel die Herren von Úpice u.a., die aber die historische Bedeutung ihrer reichen Verwandten nicht erreichten.

Diese Legende, die von der historischen Realität ausgeht, wurde bildnerisch auf dem Bild "Die Teilung der Rose" eingefangen, die Besucher können das Bild bei der Besichtigung der I. Besichtigungstrasse des Schlosses Český Krumlov sehen.

(mh,ak)